Ein Rundgang durch die neubarocke Pfarrkirche ist weit mehr als nur eine Reise durch die Kunst- und Kirchengeschichte. Es ist auch eine Entdeckungsreise in die Geologie.
Während der Blick meist an goldenen Verzierungen oder prunkvollen Fresken haften bleibt, erzählen die Steine unter unseren Füssen und in den massiven Säulen ihre ganz eigene Geschichte. Dieser Rundgang schärft die Wahrnehmung für das vermeintlich Gewöhnliche. So wird die Kirche zu einem Augenöffner für die verborgene Schönheit und Beständigkeit der uns täglich umgebenden Materialien.
Die Kloster- und Pfarrkirche wurde in rekordverdächtigem Tempo gebaut. Auf Einladung der Äbtissin M. Caecilia Schmid und des Pfarrers Vinzenz Ambühl besichtigte der St. Galler Architekt August Hardegger im Juni 1908 das geplante Baugelände.
August Hardegger (1858–1927) war ein renommierter Schweizer Architekt, der sich auf Kirchenbauten spezialisiert hatte und rund 60 Kirchen, vornehmlich in der Deutschschweiz, entwarf. Hardegger war ein Meister des Historismus und kombinierte altchristliche, neugotische und neuromanische Elemente oft mit modernen Raumformen. Zeitweise hielt er fast ein Monopol für katholische Kirchenbauten in der Deutschschweiz.
Klar war, dass die geplanten Kirchenbauten eine stilistische Einheit bilden sollten, also vom selben Architekten entworfen werden mussten. Bereits im November desselben Jahres lagen die Pläne für eine neue Kloster- und eine neue Pfarrkirche vor.
Am 18. Oktober 1910 weihte Diözesanbischof Jakob Stammler die neubarocke Klosterkirche ein.
Im Februar 1909 hatte die Kirchgemeinde den Bau einer neuen Pfarrkirche beschlossen. Das Kloster stellte der Kirchgemeinde den bisherigen Platz der Kloster- und Pfarrkirche unentgeltlich zur Verfügung und übernahm einen grossen Teil der Baukosten. Ende November 1910 stimmte die Kirchgemeindeversammlung dem Bau einer dreischiffigen, zweitürmigen Kirche mit einem Gesamtkredit von 290 000 Franken zu. Die Gesamtabrechnung belief sich jedoch auf knapp 380 000 Franken. Am 13. August 1912 weihte Bischof Jakob Stammler die neue Pfarrkirche ein.
So erhielt Eschenbach innerhalb kürzester Zeit eine eigene Pfarrkirche im neubarocken Stil mit zwei markanten Türmen. Zusammen mit der kurz zuvor erbauten Klosterkirche bildet sie eine harmonische Einheit.